Evtis: „Man kann seine Nation lieben und auch die anderen achten“

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Interview mit dem polnischen Rapper Evtis: „Man kann seine Nation lieben und auf sie stolz sein und auch die anderen Nationen, ihre Traditionen und Kulturen achten.“

Am 11. November versammelte der Unabhängigkeitsmarsch um die 300.000 Teilnehmer in Warschau. Der belgisch-polnische Journalist Sébastien Meuwissen hat sich mit einem von ihnen getroffen: Evtis (alias Mariusz Chojnacki) stammt aus Posen (Poznań) und gehört inzwischen zu den wichtigsten Mitgliedern der patriotischen Rapszene in Polen. Dieser den nationalistischen Kreisen nahestehende Rapper setzt sich ebenfalls für wohltätige Zwecke ein, u.a. zugunsten von behinderten Menschen. In seinen sehr politisierten und öfters witzigen Liedern prangert er „die Lügen der Medien, den Kampf gegen die christlichen Werte bzw. die Korruption der polnischen Eliten“ an.

Auf dem Bild zeigt der Rapper Evtis ein Souvenirfoto von KKS Lech Poznań, einem Fußballverein, von dem er seit Kindesalter ein feuriger Fan ist. Quelle: YouTube.


Sébastien Meuwissen: Du nimmst jeses Jahr am Unabhängigkeitsmarsch in Warschau teil. Was bedeutet das für Dich? Spielst Du dort eine besondere Rolle?

Evtis: Man kann sagen, dass das Datum des 11. November bei mir immer für Gedenkfeiern reserviert ist, die mit der polnischen Unabhängigkeitsfeier verbunden sind. Der Unabhängigkeitsmarsch ist selbstverständlich das größte patriotische Fest des Jahres. Die Teilnahme an den Gedenkfeiern und an diesem Marsch stellt freilich eine unglaubliche Erfahrung für mich dar. Diejenigen, die sich mit Polen, mit dem Vaterland, mit der Nation verbunden fühlen, erleben das ganz besonders. Zu diesem Anlass zeigen sie ihre Verbundenheit mit den nationalen Werten eben durch ihre Anwesenheit auf dem Unabhängigkeitsmarsch. Ich spiele dort keine besondere Rolle. Ich bin bloß einer der Teilnehmer, auch wenn ich in den letzten Jahren ein paar Lieder vor dem Anfang des Marsches gesungen habe. Auch kommt es nicht selten vor, dass aus der Menge heraus Menschen auf mich zukommen, um mich zu gratulieren bzw. mir dafür zu danken, was ich mache, was ziemlich sympathisch ist.

Sébastien Meuwissen: In einigen Deiner Lieder machst Du Dich über das Komitee zur Verteidigung der Demokratie (Komitet Obrony Demokracij, KOD) und über die regierungsfeindlichen Demonstrationen lustig? Was ist dieses KOD? Was haben sie gemacht, um zu verdienen, dass Du Dich verbal an sie ausläßt?

Evtis: Wie sein Name darauf hinweist soll das Komitee zur Verteidigung der Demokratie angeblich die Demokratie verteidigen. Das Witzigste in all dem ist, dass es eben am dem Tag nach den demokratischen Wahlen gegründet wurde, die die bislang acht Jahre in Polen regierende Partei, die Bürgerplattform (PO) verloren hatte. Die neue Regierung hat nicht einmal anfangen können zu arbeiten, dass diese Gruppe, die angeblich die Demokratie verteidigen sollte, zeigte, dass es selber ein Problem damit hatte. Die Mitglieder des KOD haben die Ergebnisse einer demokratischen Wahl und das Debakel ihrer politischen Richtung nicht akzeptieren können. Das KOD ist in Wirklichkeit das Verteidigungskomitee des alten kommunistischen Systems, das heute noch vorhanden ist und sich in allen möglichen Institutionen versteckt, angefangen von den Medien über die Politiker bis zu den Richtern.

Sébastien Meuwissen: Du bist Christ. Du singst das Lied „Heute, Mama, gehe ich in den Kampf“ (Dziś idę walczyć Mamo). Du bist ebenfalls im Rahmen von Lebensschutzorganisationen aktiv. Worum geht es dabei?

Evtis: In meinen Liedern bemühe ich mich, meinen Glauben und meine Verbundenheit mit Gott zu betonen. Ich betrachte das als etwas Normales, mit dem man sich identifizieren kann und soll, und dafür muss man sich nicht schämen. In dem Lied „Heute, Mama, gehe ich in den Kampf“ wollte ich die enge Verbindung, die ich zwischen diesen dreien meinen Müttern pflege: die Liebfrau Maria, unser Mutterland Polen sowie meine eigene Mutter, die mir das Leben schenkte und die während meiner gesamten Kindheit infolge eines Unfalls dafür kämpfte, dass ich lebe, da ich gelähmt war. Freilich kämpfe ich ebenfalls für das Leben der Kinder, die noch nicht geboren wurden. Jedes Leben ist wichtig und man muss sich um jeden Menschen kümmern. Die Wahrheit ist, dass ab der Empfängnis ein neues Menschenleben erscheint, das sich mit seiner eigenen und einzigartigen DNA entwickelt. Das ist eine medizinische und wissenschaftliche Tatsache. Somit ist es egal, ob man es Fötus oder Zellenhaufen nennt. Es handelt sich immer um ein Menschenleben, das sich entwickelt, um das man sich kümmern muss und es nicht beseitigen darf.

Sébastien Meuwissen: In mehreren Liedern weist Du darauf hin, dass manche Medien Dich beschuldigen, einen „Faschisten“ zu sein. Was antwortest Du darauf?

Evtis: Darüber kann ich nur lachen, denn es hat mit der Wahrheit nichts zu tun. Meistens haben die Leute, die so über mich reden, nicht die geringste Ahnung, was Faschismus ist. Wenn jemand eine Meinung ausspricht, die sie nicht teilen, wird diese Person als Faschist bezeichnet, um einer auf Argumente basierten Diskussion zu entgehen, da es keinen Sinn habe, mit Faschisten zu reden.

Sébastien Meuwissen: Denkst Du, dass man in Polen seine Ideen offen aussprechen und die Meinungsfreiheit vollends genießen kann?

Evtis: Persönlich habe ich selten mit irgendwelchem Druck zu tun gehabt. Allerdings wurde eines meiner Lieder – „Tolerancja“ –, in dem ich über Homosexuelle und andere mehr oder weniger nahe Themen spreche, von YouTube blockiert, obwohl ich darin niemanden angreife, sondern bloß beschreibe, was für mich Toleranz heißt. Das Lied wurde mehrfach bei YouTube wegen dessen angeblich verletzenden Inhalts gemeldet und letztendlich blockiert. In Polen gibt es viele unabhängige Medien, die ohne besondere Probleme über unterschiedliche Ereignisse berichten können, die in Polen stattfinden. Allerdings werden diese Medien mit Schwierigkeiten konfrontiert, um ein größeres Publikum zu erreichen. Im allgemeinen gibt es nicht wirklich Probleme mit der Meinungsfreiheit, auch wenn es sowieso Kanäle wie TVN [ein der liberalen Partei PO nahestehender Fernsehsender, NdR] sind, die am meisten geschaut werden. Dieser Kanal hat neulich zł 20.000 [ca. € 4.700, NdR] einer Gruppe von Personen bezahlt, damit diese ein Geburtstagsfest zu Ehren von Adolf Hitler in einem Wald veranstalten. Somit konnte TVN eine Reportage realisieren, in der gezeigt wurde, wie Faschismus und Nazismus sich in Polen verbreiten usw. Das ist ein erbärmlicher Sender aber leider schauen das die Polen und glauben diese Lügen.

Sébastien Meuwissen: Wie schaut es Deiner Meinung nach mit der Meinungsfreiheit in Westeuropa aus?

Evtis: Ich weiß nicht, wie es mit der Meinungsfreiheit in Westeuropa aussieht. Ich weiß z.B., dass nach den Ereignissen von Sylvester in Köln den deutschen Medien verboten wurde, über die von den Migranten verübten Vergewaltigungen zu berichten. Jeder soll sich die Frage stellen, ob man in dem Fall von Medienfreiheit in Deutschland reden kann, wenn man verbietet, darüber zu reden, was in dieser Nacht alles geschehen ist.

Sébastien Meuwissen: Am 11. November 2018 feiert Polen den hundertsten Jahrestag der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit. Warum ist das ein so wichtiges Ereignis?

Evtis: Wenn man das im Hinblick auf unsere polnische Geschichte anschaut, so ist das ein für alle Polen wichtiges Ereignis. Polen wurde immer von riesigen Reichen umgeben – einerseits von Deutschland, andererseits von Russland – und wurde immer zum Ziele von Angriffen, die es dazu zwangen, um dessen Unabhängigkeit zu kämpfen. Unsere Geschichte hat uns gelehrt zu kämpfen, uns zu erheben und zu siegen. 123 Jahre lang gab es kein Polen mehr auf der Landkarte. Trotzdem hat das Polentum im Herzen der Polen überlebt und nach all dieser Zeit waren wir in der Lage, unsere Nation und unser Land wieder aufzubauen. Es handelt sich um eine unglaubliche Leistung, die es verdient, jedes Jahr gefeiert zu werden. Es ist wichtig, sich an all diese phantastischen Polen zu erinnern, die ihr Leben dem gewidmet haben, dass ihr Land wieder auf der Weltkarte erscheine. Unter ihnen würde ich Roman Dmowski und Ignacy Paderewski erwähnen.

Sébastien Meuwissen: In den letzten Jahren ist die Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Visegrád-Gruppe intensiver geworden. Denkst Du, dass diese Gruppe irgendeinen Einfluss auf internationaler Ebene habe?

Evtis: Freilich, ja! Eine gemeinsame Stimme der Länder Mitteleuropas wird immer eine Stimme sein, mit der man wird zählen müssen. Meiner Meinung nach sollte die Außenpolitik so geführt werden, dass sie uns als Nation wirklich nützlich sei und nicht nur um eine Verbesserung der internationalen Beziehungen anzustreben. Manchmal ist es besser, gespannte Beziehungen mit seinen Nachbarn zu haben und einen größeren Spielraum in der Diskussion zu haben, als einem theoretisch stärkeren Staat unterworfen zu sein und dadurch Gefahr zu laufen, ausgebeutet zu werden.

Sébastien Meuwissen: Ich komme aus einem Land, wo die Leute nur wenig über Polen wissen. Möchtest Du den jungen Belgiern, Franzosen, Deutschen… etwas sagen?

Evtis: Ohne zu zögern möchte ich sagen, dass es nichts Schlechtes ist, mit seiner Nation, seinem Vaterland und seinen Nationalfarben, mit seiner Sprache, seiner Tradition und seiner Kultur verbunden zu sein! Die Liebe zur Nation, der Nationalismus, ist kein Faschismus, kein Rassismus und keine Fremdenfeindlichkeit. Man kann seine Nation lieben und auf sie stolz sein und auch die anderen Nationen, ihre Traditionen und Kulturen achten. Man kann seine Familie lieben und ihr das Beste wünschen; das bedeutet nicht, dass man die anderen Familien nicht liebe bzw. ihnen Schlimmes wünsche. Die Liebe zur Nation, der Nationalismus, ist nichts Schreckliches. Dagegen ist der Hass gegen die anderen Nationen, der Chauvinismus, ein schlimmer Irrtum, den man bekämpfen soll. Seid stolz darauf, was Ihr seid, auf Eure Traditionen und auf Eure Kulturen. Schämt Euch nicht dafür!

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