{"id":2467,"date":"2023-05-08T16:18:48","date_gmt":"2023-05-08T15:18:48","guid":{"rendered":"https:\/\/visegradpost.com\/?p=2467"},"modified":"2025-05-27T16:22:41","modified_gmt":"2025-05-27T15:22:41","slug":"cpac-hungary-2023-orban-will-zeigen-dass-er-nicht-isoliert-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/visegradpost.com\/de\/2023\/05\/08\/cpac-hungary-2023-orban-will-zeigen-dass-er-nicht-isoliert-ist\/","title":{"rendered":"CPAC Hungary 2023: Orb\u00e1n will zeigen, dass er nicht isoliert ist"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ungarn<\/strong>\u00a0\u2013 Nach der ersten europ\u00e4ischen Veranstaltung im vergangenen Jahr wurde am 4. und 5. Mai 2023 eine zweite CPAC in Budapest organisiert. Als einzige Version dieses gro\u00dfen Treffens von Konservativen (nach Art der US-Republikaner) auf dieser Seite des Atlantiks ist es kein Zufall, dass die Veranstaltung in der ungarischen Hauptstadt stattfindet. Viktor Orb\u00e1n, der sich\u00a0mit Washington\u00a0sowohl \u00fcber den Krieg in der Ukraine als auch \u00fcber die Woke-Ideologie und den Progressivismus\u00a0auseinandersetzt\u00a0und ein Jahr vor den Europawahlen steht, will seine Beziehungen zu den USA pflegen und der Welt und seinen W\u00e4hlern zeigen, dass er auf der internationalen B\u00fchne alles andere als isoliert sei.<\/p>\n<h4>\u201e<strong>Nein zu Einwanderung, Nein zu Gender, Nein zum Krieg\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Vor einem vollen Saal im\u00a0<em>B\u00e1lna<\/em>, einem ehemaligen Lagerhaus, das am Ufer der Donau in ein Einkaufs- und Kongresszentrum umgewandelt wurde,\u00a0begann Orb\u00e1n lautstark seine Tirade\u00a0gegen den westlichen Progressivismus. \u201e<em>Wir werden alle angegriffen, sowohl in Europa als auch in Amerika<\/em>\u00a0[\u2026],\u00a0<em>und der Angriff ist nicht wirtschaftlicher Natur, wir haben es mit einer biologischen Waffe zu tun, es ist ein Virusangriff, der gegen uns gestartet wurde. Dieses Virus wurde in den liberal-progressistischen Labors entwickelt.<\/em>\u00a0[\u2026]\u00a0<em>Es ist ein nationophober Virus\u201c<\/em>, so der Ministerpr\u00e4sident in einer ziemlich deutlichen Anspielung f\u00fcr eine Versammlung, in der die Covid-Gegner zahlreich vertreten waren \u2013 Kari Lake, Rob Roos, Virginie Joron, Eva Vlaardingerbroek, um nur einige zu nennen. \u201e<em>Menschen ohne Heimat k\u00f6nnen nicht frei sein, sie werden nur Nomaden sein, die sich hier und dort niedergelassen haben und die Spielfiguren der globalen Elite sein\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Die Rede Viktor Orb\u00e1ns war eine wahre Ode an die Konzepte Nation und Nationalstaat und konzentrierte sich auf den Zusammenbruch des Westens und seinen relativen Niedergang gegen\u00fcber dem Rest der Welt, sowohl demografisch als auch wirtschaftlich. Laut Viktor Orb\u00e1n hat der Westen seine F\u00fchrungsposition in allen Bereichen au\u00dfer im milit\u00e4rischen verloren. \u201e<em>Wenn aber nur noch ein milit\u00e4rischer Vorteil \u00fcbrig ist, f\u00fchrt das zwangsl\u00e4ufig zu bewaffneten Konflikten, und das ist es, was heute passiert<\/em>.\u201c Und f\u00fcr diesen Zustand ist Orb\u00e1n kategorisch: Der Westen ist selbst schuld.<\/p>\n<p>Viktor Orb\u00e1n griff das Bild eines Virus auf, um die radikal-progressistische Woke-Ideologie zu bezeichnen, und fuhr dann wie folgt fort: \u201e<em>Dieser Virus ist nicht entkommen, er wurde produziert, vervielf\u00e4ltigt und auf die ganze Welt losgelassen. Migration, Gender, Wokismus \u2013 all das sind nur Varianten desselben Virus\u201c<\/em>. Orb\u00e1n zufolge entspringen der Immigrationismus und die Woke-Ideologie demselben Willen, n\u00e4mlich Nationen zu zerst\u00f6ren, Gesellschaften zu atomisieren und Identit\u00e4ten zu dekonstruieren.<\/p>\n<p>Der ungarische Regierungschef griff dann die \u201eprogressistische Diplomatie\u201c an, die seiner Meinung nach von Natur aus imperialistisch sei und im Namen des Demokratieexports L\u00e4nder zerst\u00f6rt habe, bevor er den Wunsch einer R\u00fcckkehr von Donald Trump an die Macht in den USA \u00e4u\u00dferte und meinte, wenn er [Trump] Pr\u00e4sident w\u00e4re, w\u00fcrde es derzeit keinen Krieg in der Ukraine geben. \u201e<em>Die Progressisten betreiben immer noch eine imperialistische Politik, sie \u00fcben diplomatischen Druck auf Nationen aus und erwarten eine Angleichung: Unterst\u00fctzen Sie die Einwanderung, die Propaganda der Gendertheorie, die Relativierung der Familie, die Sexualisierung der Kinder? Diejenigen, die all dem nicht zustimmen, werden als Feinde bezeichnet, und gegen diese wird dann die liberale Fatwa ausgesprochen\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Daraus schlussfolgerte er: \u201e<em>Das neueste Ziel der progressistischen imperialistischen Diplomatie ist es, den Nationen der Europ\u00e4ischen Union ihr Recht auf eine nationale Diplomatie zu nehmen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Viktor Orb\u00e1n wandte sich direkt an die amerikanischen G\u00e4ste und gab sich mit einem Grinsen auf den Lippen optimistischer. \u201e<em>Die gute Nachricht ist, dass hier in Europa die<\/em>\u00a0Reconquista\u00a0<em>bereits begonnen hat\u201c<\/em>, sagte Orb\u00e1n, bevor er die Siege der Konservativen in Italien und Israel als Beispiele anf\u00fchrte und sich optimistisch \u00fcber Spanien und Polen \u00e4u\u00dferte, wo Wahlen heuer stattfinden werden. N\u00e4chstes Ziel: die Wahlen zum Europ\u00e4ischen Parlament im Jahr 2024.<\/p>\n<p>Zum Abschluss seiner Rede griff Viktor Orb\u00e1n dann die virale Metapher auf. \u201e<em>Die gute Nachricht ist, dass es nicht mehr n\u00f6tig ist, nach dem Heilmittel f\u00fcr den progressistischen Virus zu suchen. Es ist hier, in Ungarn. Es ist f\u00fcr alle zug\u00e4nglich. Es ist kostenlos und mit einer einfachen lokalen Anpassung kann es auch anderswo implementiert werden und funktioniert.<\/em>\u00a0[\u2026]\u00a0<em>Es sch\u00fctzt vor allen Varianten des Progressivismus und hat dar\u00fcber hinaus keine Nebenwirkungen.<\/em>\u00a0[\u2026]\u00a0<em>Es gen\u00fcgt, vor den Wahlen in riesigen, gut sichtbaren Buchstaben auf die Flagge zu schreiben: Nein zur Einwanderung, Nein zu Gender, Nein zum Krieg\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>F\u00fcr den starken Mann in Budapest bleibt die Demokratie die Schwachstelle der Progressisten. \u201e<em>Sie wussten schon im alten Rom, dass es zwei Wege gibt, eine Stadt einzunehmen: Entweder man nimmt die Stadtmauern ein oder man besetzt ihre Heiligt\u00fcmer. Ich schlage vor, dass wir mit den Heiligt\u00fcmern beginnen, dann kommen die Mauern. Wir haben in den letzten Jahren einige gro\u00dfe europ\u00e4ische Heiligt\u00fcmer eingenommen: Budapest, Warschau, Rom, Jerusalem; Wien ist nicht ohne Hoffnung. Aber die Wahrheit ist, dass die beiden wichtigsten Heiligt\u00fcmer der modernen Demokratie, Washington und Br\u00fcssel, immer noch in den H\u00e4nden der Progressisten sind. Lassen Sie uns handeln, damit dies nicht mehr der Fall sei\u201c<\/em>.<\/p>\n<h4><strong>Eine bunte Ansammlung von Konservativen, vereint gegen den Progressivismus<\/strong><\/h4>\n<p>Die etwas chaotische Organisation der Veranstaltung hielt Tausende von Konservativen nicht davon ab, sich zwei Tage lang im Herzen der ungarischen Hauptstadt zu versammeln. Politiker, Journalisten, Influencer, Unternehmer, Akademiker und bedingungslose Unterst\u00fctzer konnten unter den Flaggen Ungarns, der USA und\u2026 der NATO vernetzen, Interviews f\u00fchren und Gedanken austauschen \u2013 was den anwesenden franz\u00f6sischen Europaabgeordneten Thierry Mariani durchaus am\u00fcsierte.<\/p>\n<p>Einige unserer Kollegen waren allerdings nicht willkommen, was garantierte, dass die Veranstaltung zu einem echten konservativen\u00a0<em>Safe Space<\/em>\u00a0wurde. So wurden Journalisten von\u00a0<em>The Guardian<\/em>,\u00a0<em>Le Point bzw.<\/em>\u00a0<em>Radio Free Europe\u00a0<\/em>von der Security hinausbegleitet (einige waren unter falscher Identit\u00e4t reingekommen) oder einfach am Betreten des Gel\u00e4ndes gehindert. Auch unsere Kollegen vom\u00a0<em>Courrier d\u2019Europe Centrale\u00a0<\/em>wurden nicht akkreditiert.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung war ein wahrer Turmbau zu Babel, in dem Menschen aus den USA, Frankreich, Spanien, Portugal, Georgien, Polen, den Niederlanden, Deutschland, Slowenien, Serbien und Schweden zusammenkamen. Interessanterweise zeigt die Vielfalt der Meinungen zu so kontroversen Themen wie dem Krieg in der Ukraine oder dem Covid, dass die verschiedenen in der CPAC vertretenen Kr\u00e4fte zu einer tiefgreifenden Zusammenarbeit bereit sind und dass Orb\u00e1n den Kreis seiner Unterst\u00fctzer und Verb\u00fcndeten erweitern muss.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend Viktor Orb\u00e1n seine Vision der progressistischen Agenda klar darlegte, blieben die Differenzen unter den G\u00e4sten bestehen. \u201e<em>Es ist komisch, dass Orb\u00e1n, der doch wie anderswo verbindliche und absurde Covid-Regeln eingef\u00fchrt hat, den Covid-Gegners hier und auf der anderen Seite des Atlantiks den Fu\u00df in die T\u00fcr stellt. Aber es stimmt, dass sich der Wind bei diesem Thema dreht \u2026<\/em>\u201c, vertraute mir ein EU-Politiker an, der anonym bleiben wollte. Was den Krieg in der Ukraine betrifft, so wichen die Polen, die auch in diesem Jahr nicht zahlreich waren, dem Thema diplomatisch aus und konzentrierten sich lieber auf den gemeinsamen Kampf gegen den Wokismus, die\u00a0<em>Cancel Culture<\/em>, die Dekonstruktion der traditionellen Familie und die Sexualisierung der Kinder. Unter den Botschaften, die f\u00fcr diesen Anlass aufgenommen und auf allen Bildschirmen des\u00a0<em>B\u00e1lna\u00a0<\/em>ausgestrahlt wurden, waren auch die von Pers\u00f6nlichkeiten wie Donald Trump, Steve Bannon bzw. Eduardo Bolsonaro, dem Sohn des fr\u00fcheren brasilianischen Pr\u00e4sidenten Jair Bolsonaro.<\/p>\n<p>Die Anwesenheit zahlreicher Europaabgeordneter, vor allem aber des Shootingstars Kari Lake, der nachgesagt wird, dass sie m\u00f6glicherweise auf demselben Ticket wie der n\u00e4chste republikanische Kandidat f\u00fcr die Wahlen 2024 stehen k\u00f6nne, sowie des georgischen Ministerpr\u00e4sidenten Irakli Garibaschwili, des ehemaligen tschechischen Pr\u00e4sidenten\u00a0Vacl\u00e1v Klaus\u00a0und der ehemaligen tschechischen und slowenischen Ministerpr\u00e4sidenten Andrej Babi\u0161 und\u00a0Janez Jan\u0161a\u00a0machte diesen zweit\u00e4gigen Kongress zu einem wichtigen Treffen des Konservatismus auf europ\u00e4ischer Ebene.<\/p>\n<p>Und genau das ist das Ziel von Viktor Orb\u00e1n, der ein Jahr vor den Europawahlen in der Europ\u00e4ischen Union isolierter ist als je zuvor. Neben der Botschaft an seine W\u00e4hlerschaft, die sie in Bezug auf die Richtigkeit der geopolitischen Entscheidungen der Regierung beruhigen soll, geht es auch darum, den Gegenangriff im Europ\u00e4ischen Parlament vorzubereiten. Viktor Orb\u00e1n empfing die wichtigsten Pers\u00f6nlichkeiten der Veranstaltung im Karmeliterkloster, seinem Amtssitz im Burgviertel hoch \u00fcber der Stadt, mit allen erdenklichen Aufmerksamkeiten. Dies war insbesondere f\u00fcr die gro\u00dfe franz\u00f6sische Delegation eine Gelegenheit, einige Worte mit einem Verb\u00fcndeten zu tauschen, der nicht mehr wegzudenken sein will und der Frankreich (sei es Macron oder die konservativen Oppositionskr\u00e4fte) zunehmend braucht, um insbesondere sein ziviles Atomprogramm gegen\u00fcber Berlin abzusichern.<\/p>\n<p>Dabei wird es bemerkenswert sein, wie subtil die beiden franz\u00f6sischen konservativen Parteien Rassemblement National und Reconqu\u00eate, die von Jordan Bardella und mehreren Europaabgeordneten einerseits bzw. von Marion Mar\u00e9chal andererseits vertreten wurden, gegeneinander ausgespielt werden. W\u00e4hrend der RN-Vorsitzende Bardella einer der letzten Redner auf dem Kongress war, war Marion Mar\u00e9chal (Reconqu\u00eate) die einzige Rednerin auf der sehr erlesenen Gala am Freitagabend. Wie im Herbst 2021, als der ungarische Ministerpr\u00e4sident im Abstand von einigen Wochen \u00c9ric Zemmour (Reconqu\u00eate) und Marine Le Pen (RN) empfing, versucht Orb\u00e1n, sein Interesse an beiden Parteien zu zeigen, ohne sie zu br\u00fcskieren oder eine der beiden T\u00fcren zu schlie\u00dfen. Orb\u00e1n ist zweifellos sehr diplomatisch, denn seine Haltung zum Krieg in der Ukraine hat ihn in der im Einklang mit der Agenda der US-amerikanischen Demokraten stehenden EU mehr denn je isoliert.<\/p>\n<p>Diese Position zum Krieg in der Ukraine k\u00f6nnte insbesondere einen Beitritt zur EKR-Fraktion (Europ\u00e4ische Konservative und Reformisten) des Europ\u00e4ischen Parlaments unm\u00f6glich machen und dazu f\u00fchren, dass der Fidesz unter den Fraktionslosen bleibe, sofern er nicht eine eigene Fraktion gr\u00fcnde bzw. sich der Fraktion Identit\u00e4t &amp; Demokratie (zu der auch der Rassemblement National geh\u00f6rt) anschlie\u00dfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungarn\u00a0\u2013 Nach der ersten europ\u00e4ischen Veranstaltung im vergangenen Jahr wurde am 4. und 5. Mai 2023 eine zweite CPAC in Budapest organisiert. 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