Polen mangelt an Arbeitskraft und lässt nicht nur Ukrainer bzw. Weißrussen sondern ebenfalls asiatische Einwanderer kommen

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Von Olivier Bault.

Polen – „Ihr habt die Polen belogen,“ prangerte anfangs Juni der Anführer der nationalistischen Partei Ruch Narodowy (Nationale Bewegung) Robert Winnicki anläßlich einer Debatte im Parlament über die Sozialpolitik der Regierung an. „In einem für unsere Zukunft maßgebenden Bereich, bricht [diese Politik] die Versprechungen, dank denen Ihr die Wahlen 2015 gewonnen habt,“ warf dann der nationalistische Anführer den PiS-Abgeordneten vor und erwähnte dabei eine bevorstehende Umvolkung Polens. Während der PiS den Polen versprochen hatte, das Land in keinen Masseneinwanderungsprozess zu führen bzw. die 7.000 „umzusiedelnden“ Asylwerber nicht anzunehmen, die die frühere Regierung sich von der EU hatte aufzwingen lassen, haben die Woiwoden (Präfekten) seit zwei Jahren Aufenthaltsgenehmigungen an „Hunderttausende Ukrainer bzw. Zehntausende Asiaten“ ausgestellt. Auf der Suche nach Arbeitskräften, um dem Bedarf einer stark wachsenden Wirtschaft zu entsprechen, während die eine Million Polen, die nach dem EU-Beitritt des Landes ausgewandert sind, nur schleppend in die Heimat zurückkehren, lässt die Regierung des ehemaligen Bankiers Mateusz Morawiecki in der Tat immer mehr Einwanderer ins Land. Und da es nicht mehr genug Ukrainer gibt, wendet man sich in Richtung Zentralasien bzw. Südostasien, Aserbaidschan, Usbekistan, Indien, Nepal, Bangladesch, Pakistan, und nun auch den Philippinen zu.

Das polnische Arbeitsministerium möchte philippinische Arbeiter kommen lassen

Ende Juli kündigte Stanisław Szwed, Staatssekretär beim Ministerium für Familie, Arbeit und Sozialpolitik, in der Tat für den kommenden September ein Abkommen mit der Regierung in Manila an, um Arbeiter nach Polen kommen zu lassen. Den Wandel kann man in der polnischen Hauptstadt Warschau übrigens schon sehen. Es sind nicht mehr nur Ukrainer und Weißrussen, die man in zahlreichen Geschäften antrifft bzw. deren eigene Sprache man auf den Baustellen sprechen höre, sondern auch zahlreiche junge Männer, die offensichtlich aus Indien oder angrenzenden Ländern herkommen und durch die Straßen gehen, bzw. ist es nicht mehr so selten, fremde Frauen zu sehen, die das islamische Kopftuch tragen. Der Speisenlieferdienst Uber Eats ist ebenfalls nunmehr völlig in indischer Hand.

Wie in Frankreich – selbst wenn das Ausmaß wohl ein anderes ist – lässt das eigene Auge an den offiziellen Statistiken zweifeln, die noch ziemlich bescheiden sind, obwohl sie wohl eine starke Zunahme der asiatischen Einwanderung zeigen, und man darf sich zurecht fragen, ob der PiS nicht dabei ist – ohne es zu sagen bzw. ohne seiner Entscheidung eine Debatte vorausgehen zu lassen –, Polen auf den Weg zu führen, den Westeuropa während der Nachkriegszeit genommen hat. Es ist zwar sicherlich übertrieben, von einer Umvolkung in Polen zu sprechen, wie der nationalistische Abgeordnete Robert Winnicki es tut, doch ist es wohl jetzt, dass eine öffentliche Debatte stattfinden sollte, und nicht erst als der Punkt der Unumkehrbarkeit erreicht sein wird! Umso mehr als die Einwanderung den Zuwachs der Gehälter abbremst und die Rückkehr der polnischen Auswanderer verzögert.

Die ukrainische Einwanderung genügt nicht mehr um den Bedarf der polnischen Arbeitgeber zu decken

Unter den ausländischen Arbeitnehmern, die Beiträge zur polnischen Krankenkasse (ZUS) leisten, gab es Ende Juni über 380.000 Ukrainer, über 28.000 Weißrussen, über 8.000 Vietnamesen, über 7.000 Russen, über 5.000 Chinesen, genauso viele Inder, 3.000 Türken, 2.400 Nepalesen, usw. Doch entsprechen diese Zahlen nur einem Teil der in Polen lebenden Ausländer. So wurden 2017 immerhin 7.000 Arbeitsgenehmigungen an Nepalesen, 4.000 an Inder, 2.400 an Bangladescher und beinahe 500 an Pakistaner ausgestellt. Gestützt auf die Daten bezüglich der von den Voiwoden ausgestellten Arbeitserlaubnissen spricht Robert Winnicki von 20.000 neuen Einwanderern aus islamischen Ländern, seit der PiS die Regierung stellt.

Und dann gibt es diejenigen, die weder vom ZUS noch von den Woiwoden gezählt werden. So wird die Anzahl der in Polen – einem Land von 38 Mio. Einwohnern – lebenden Ukrainer zwischen einer und zwei Millionen geschätzt. Eine Studie der Nationalbank Polens (NBP) berichtete über 5 Milliarden Złotys (ca. 1,2 Milliarden Euro), die 2015 von Ukrainern aus Polen in ihre Heimat überwiesen wurden. Im Vergleich waren es 2017 für die drei ersten Quartale allein schon 8,6 Milliarden Złotys, was eine Vorstellung dessen gibt, wie stark die Anzahl der ukrainischen Arbeitnehmer in Polen gestiegen ist.

Mit einem BIP-Wachstum von 5,1% und einer Arbeitslosenrate von 5,9% mangelt Polen an Arbeitskraft

Doch das Problem mit den Ukrainern ist, dass sie sich immer weniger mit den Gehältern zufrieden geben, die in Polen angeboten werden, und weiter nach Westen ziehen, besonders seitdem die Touristenvisen für sie im Schengenraum abgeschafft wurden. Währenddessen ist die Anzahl der Arbeitslosen in Polen erstmals unter eine Million gesunken, mit einer Arbeitslosenrate von 5,9% im Juni (gemäß der polnischen Zählmethode, die weniger günstig ist, als die der Eurostat, die nur über 3,8% Arbeitslosen in Polen im Mai berichtet, gegen 8,4% für die gesamte Eurozone). Im ersten Quartal 2018 erreicht der BIP-Wachstum 5,1% jährlich, was eine neue Steigerung gegenüber den 4,9% vom vorigen Quartal darstellte. Wegen des Mangels an Arbeitskraft in manchen Sektoren hat die Regierung am 1. Juli die Einstellungsverfahren für ausländische Arbeitnehmer in 280 Berufen erleichtert. Daher fragte der Anführer der Nationalen Bewegung bei einer Fernsehdiskussion bei wPolsce.pl (einem PiS-nahen Sender) am 27. Juli, ob einen hohen Wachstum zu halten wichtiger sei als die nationale Kohäsion langfristig zu bewahren.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in französischer Sprache auf Réinformation.tv veröffentlicht. Übersetzt von Visegrád Post.

1 Comment

  1. Der Mann hat recht!
    Da braucht sich Polen doch nicht mit der EU herumzustreiten wegen “lächerlicher” 7000 Irakern, Syrer, Afghanen, und Pakistanis, wenn letztere, die Bangladesher und möglicherweise der islamische Bevölkerungsteil der Philippinen ohnehin zukünftig in Divisionsstärke Polen bereichern werden.
    Gerade die Pakistaner. Da kann man gleich die Taliban ins Land holen.
    So etwas Absurdes habe ich noch nie gehört und gelesen…

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