Homophobie-Prozess gegen Polen nach der letzten Provokation der LGBT-Lobby in Białystok

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Von Olivier Bault.

 

Polen – „Polen: Ultranationalisten greifen Gay Pride an“, so der Titel von Le Figaro am 21. Juli um ein Video der heftigsten Momente zu illustrieren, das auf der Internetseite der französischen Tageszeitung an diesem Abend über die Unruhen, die sich am Samstag, den 20. Juli in der Stadt Białystok im Osten Polens zugetragen hatten. Für Le Monde wird „eine Gay Pride in der nationalistischen Hochburg Polens Białystok zum Alptraum“ (Titel vom 22. Juli): „In der erzkonservativen Woiwodschaft Podlachien sind sechzig – nationalistische, erzkatholische und manchmal gewaltbereite – Gegendemonstrationen gemeldet worden“.

Was die beiden großen französischen Tageszeitungen verschweigen, ist, dass der „Gleichheitsmarsch“ in Białystok die letzte Provokation der LGBT-Lobby in Polen war. Diese Lobby hat zwar wenig Zulauf aber sie wird von den internationalen Konzernen und westlichen Botschaften in dem unterstützt, was einem kulturellen Kolonisierungsunternehmen des letzten großen katholischen Landes des alten Kontinents sehr ähnelt. Diese Lobby profitiert auch in letzter Zeit von der von der polnischen liberalen Opposition versuchten fortschrittlich-libertären Wende, was zweifelsohne zu ihrer schmählichen Niederlage gegen den PiS bei den Europawahlen wesentlich beigetragen hat.

Die LGBT-Aktivisten haben heuer sehr viel dafür getan, um eine große Anzahl von Polen gegen sich zu bringen, so mit ihren Profanierungen gegen den katholischen Glaube in Danzig (Parodie einer Prozession des Heiligen Sakraments), in Warschau (Parodie einer Messe) und in Tschenstochau (Versuch, auf das Heiligtum von Jasna Góra aufzumarschieren, als eine Kinderwallfahrt dort stattfand), ohne überhaupt über die mit einem in den Regenbogenfarben übermalten Heiligenschein versehenen Bilder der Schwarzen Jungfrau von Tschenstochau (Częstochowa) zu reden, die sie seit dem Frühling in ihren Demonstrationen regelmäßig tragen.

Białystok liegt in einer Woiwodschaft, die wie der Osten des Landes im allgemeinen eher konservativ eingestellt ist, und wo die seit 2015 regierende sozial-konservative Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość, PiS) wesentlich mehr Anhänger hat als im Westen. Es war daher der ideale Ort, um die erste Gay Pride der Geschichte zu organisieren, wohlwissend, dass viele Leute sich dagegen stellen würden. Denn das Ziel der LGBT-Lobby scheint wohl, möglichst heftige Reaktionen zu provozieren, um sich als Opfer von Gewalt und Diskriminierung darstellen zu können. Dass aber dies unbedingt durch eine Strategie der ständigen Provokation gehen muss, indem man die heiligsten Symbole angreift, zeigt wohl, dass die polnische Gesellschaft eher tolerant ist.

In Białystok, einer Stadt von etwas weniger als 300.000 Einwohnern, hatten etwa 20.000 Menschen eine Petition unterschrieben, um das Verbot der Gay Pride zu fordern, doch hat der Bürgermeister – aus der oppositionellen Bürgerplattform (Platforma Obywatelska, PO), was auch zeigt, dass die Stadt doch nicht so konservativ ist – sie trotzdem bewilligt. Übrigens, auch wenn Bürgermeister bzw. Woiwoden mal versuchen, diese Art von LGBT-Demonstrationen zu verbieten, kippen die polnischen Gerichte ihre Entscheidungen um und genehmigen diese trotzdem. Allerdings zeigt der Erfolg der Petition gegen den „Gleichheitsmarsch“, dass es nicht nur aus ganz Polen hergekommene Nationalisten waren, die sich gegen die Demonstration einiger hundert Aktivisten gestellt haben, die ebenfalls aus ganz Polen gekommen waren. Man sieht eigentlich sehr oft die gleichen Gesichter mit den gleichen Verkleidungen bei den unterschiedlichen in Polen organisierten Gay Prides und manche kritische Stimmen sprechen sogar von einem Wanderzirkus, um sie zu bezeichnen.

In der Tat waren mehrere Dutzend Gegendemonstrationen angemeldet worden, darunter eine von Fussballfans aus ganz Polen, die – wie man es ein paar Tage zuvor in nationalistischen Medien erfuhr – unter sich einen Nichtaggressionspakt geschlossen hatten um „die Stadt gegen die Perversen zu verteidigen“, denn „alle haben ihre Homoparaden in Warschau, Danzig und Tschenstochau gesehen, wo die religiösen Symbole des christlichen Glaubens offen profaniert und verhöhnt wurden. Wir können nicht erlauben, dass verkleidete Clowns das gleiche in Białystok tun“.

Dann gab es freilich ein paar Ausschreitungen, denn Fussballfans sind nun mal keine gewöhnlichen Demonstranten, doch hat die massiv anwesende polnische Polizei ihre Arbeit ordentlich geleistet und niemand wurde verletzt. Da Polen ein demokratischer Rechtsstaat ist, auch wenn es Brüssel nicht passt, wurden die Gewalttäter verhaftet bzw. werden noch gesucht und werden sie auch noch vor Gericht erscheinen müssen. Einige linke Medien haben eine Verbindung zwischen den vermuteten Gewalttaten gegen Homosexuelle in Polen und „den dunkelsten Stunden unserer Geschichte“ herstellen wollen, indem sie das blutüberströmte Gesicht einer jungen Frau veröffentlichten.Unglücklicherweise handelte es sich um eine Gegendemonstrantin, dieversucht hatte, ihren Freund aus den Händen der Polizei herauszureißen und im Gemenge einen Schlag abbekommen hatte.

Verlauf der Gay Pride und der Gegendemonstrationen von Białystok in Bildern.

Anderweitig ist noch eine weitere Polemik diese Woche zu den Ereignissen von Białystok mit dem konservativen PiS-nahen Wochenzeitung Gazeta Polska hinzugekommen, die mit ihrer Ausgabe von Mittwoch Aufkleber mit der Inschrift „LGBT-Ideologie-freie Zone“ (Strefa wolna od ideologii LGBT) verteilt hatte und ihre Leser aufmunterte, diese gut sichtbar anzubringen. Für Le Figaro handle es sich um „homofeindliche Aufkleber“, während die Urheber dieser Aktion wohl betonten, dass sie gegen die Ideologie ankämpfen, die die LGBT-Lobby in Polen aufzwingen möchte, und nicht gegen die homosexuellen Menschen. „Respektieren wir die Menschen, stellen wir uns gegen den Totalitarismus“, so der Titel des Editorials, das diese Aktion von Gazeta Polska begleitete.

Diesbezüglich konnte man im Checknews von Libération lesen, dass „es in Polen legal geworden ist, einer LGBTI-Person [lesbisch, gay, bisexuell, trans, intersex, NdR] den Zutritt zu einem Geschäft zu verbieten bzw. verteilen manche nunmehr Aufkleber mit der Inschrift ‚Für Heterosexuelle reservierte Zone‘“, twitterte am Montag die Europaabgeordnete der linksradikalen Bewegung France Insoumise, Manon Aubry. Sie verweist auf einen Tweet des Kopräsidenten von Urgence Homophobie, der sich anhand eines Bildes darüber echauffiert, dass ein polnisches Medium Aufkleber „für die Geschäfte“ verteile, die verkünden, dass „der Zutritt für LGBTIs verboten“ sei.

Bildschirmfoto eines Tweets des LGBT-Aktivisten Guillaume Mélanie am 21. Juli 2019.

Tatsächlich, wie Libération dies ziemlich gut erklärt, ist es „in Polen nicht legal geworden den Zutritt zu einem Geschäft einer LGBTI-Person zu verbieten“, doch gab neulich ein Urteil des Verfassungsgerichts einem Druckereibesitzer Recht, der es abgelehnt hatte, Broschüren herzustellen, die von einer LGBTI-Organisation bestellt worden waren und deren Inhalt seiner christlichenÜberzeugung zuwiderlief. Was die Aufkleber „Für Heterosexuelle reservierte Zone“ betrifft, so lauteten sie in ihrer ersten im voraus von Gazeta Polska angekündigten Version: „LGBT-freie Zone“ (Strefa wolna od LGBT). Angesichts des Protestgeschreis, das dadurch in Polen – auch bei Regierungsmitgliedern – hervorgerufen wurde, hat die Zeitung den vorgesehenen Text verändert und tatsächlich Aufkleber mit der Inschrift „LGBT-Ideologie-freie Zone“ verteilt, um die Zweideutigkeit zu beseitigen, und betonte dabei sehr deutlich, dass es wohl der von vornherein gemeinte Sinn gewesen sei.

Was die Ereignisse in Białystok betrifft, so hat die polnische Kirche selbst durch den Sprecher der Bischofskonferenz die aggressiven Haltungen verurteilt. Dieser erinnerte daran, dass die LGBT-Personen „im Vordergrund nicht Lesben, Gays, Bisexuelle oder Transsexuelle sind, sondern vor allem unsere Brüder und Schwestern, für diejenigen Christus sein Leben opferte und die er retten wolle“. Allerdings fügte er hinzu, dass „im Namen der Treue zu unserem Heiland und im Namen der Liebe für unsere Schwestern und unsere Brüder sollen wir das Evangelium verkünden, ohne den in ihm vorhandenen Forderungen ausweichen zu wollen und ohne aufzuhören, als Todsünde zu bezeichnen, was Todsünde ist. Wenn wir es nicht täten, würden wir unseren Nächsten die Wahrheit vorenthalten, auf die sie ein Recht haben“.

Merken wir schließlich, dass Le Monde, Le Figaro und ihresgleichen weniger redegewandt sind, als es darum geht, über die Entlassung durch Ikea Polen eines polnischen Katholiken zu berichten, der es ablehnte, an den von seinem Arbeitgeber organisierten LGBT-Propagandaaktionen teilzunehmen.

Übersetzt von Visegrád Post.