Ferenc Almássy: „Die Visegrád Post will ein konservatives Informationsportal sein, mit dem Ziel, die mitteleuropäische Sichtweise auf Französisch, Deutsch und Englisch vorzustellen.“

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Von Olivier Bault.

MitteleuropaInterview mit Ferenc Almássy, Chefredakteur der Visegrád Post, realisiert für das Wacław-Felczak-Institut.

Dieses Interview wurde ursprünglich in englischer Sprache auf Kurier.plus veröffentlicht.

Die Visegrád Post ist gerade drei Jahre alt geworden. Sie stellt sich selbst wie „ein Online-Portal in französischer, englischer und deutscher Sprache vor, das zum Ziele hat, die über die dynamische Region Mitteleuropa interessierte Öffentlichkeit mit einer konservativen Linie zu informieren, bzw. – im Gegenteil zu beinahe allen Medien in französischer, englischer bzw. deutscher Sprache, die über Mitteleuropa berichten – auf die mehrheitlich verbreiteten Meinungen der betroffenen Länder achtet.“

Olivier Bault: Können Sie uns ein bißchen mehr über dieses Informationsportal sagen?

Ferenc Almássy: Der Gedanke, die Visegrád Post zu gründen, entstand im Sommer 2015, als die Migrantenkrise insbesondere Ungarn heimsuchte und die Visegrád-Gruppe angesichts dieser Krise und der Notwendigkeit zusammenzuarbeiten eine Art Wiedergeburt erlebte. Soweit für den allgemeinen Hintergrund. Dazu kam noch eine persönliche Motivation: Daß ich gesehen hatte, wie viele Lügen und Verleumdungen über Ungarn bzw. Mitteleuropa insgesamt verbreitet worden waren, hat mich berührt und mich dazu veranlasst, mich in diesem Bereich zu engagieren, um zu versuchen, anders zu berichten. Ich habe einen Partner in Frankreich gefunden, der ein unabhängiges Medium ist, das allein von Spenden lebt: TV Libertés. Mit diesem Partner konnte ich das Portal der Visegrád Post nach einigen Monaten, Ende März 2016, ins Leben rufen.

Anfangs wollten wir Nachrichten über Mitteleuropa veröffentlichen, doch haben wir rasch wahrgenommen, dass unsere zu sehr beschränkte Mittel uns nicht ermöglichten, externe Fachleute zu beschäftigen und daher auf regelmäßiger Basis zu arbeiten. Denn in der Tat zogen wir vor allem ehrenamtliche Mitarbeiter hinzu. Daher haben wir das Portal ab 2017 eher auf Originalbeiträge wie Analysen bzw. Exklusivinterviews umorientiert, und auch manchmal auf die Übersetzung mancher in Mitteleuropa veröffentlichen Artikel. Wir konnten in der Tat beim Rhythmus von tagtäglichen Nachrichten nicht mithalten. Auch wenn wir manche Kurznachrichten hervorheben, die ansonsten ohne uns die Sprachbarriere nicht überbrücken würden, versuchen wir gewöhnlich, diese in ihrem Zusammenhang zu stellen und etwas hinzuzufügen.

Meine Ambition für die Visegrád Post ist, dass dieses Portal allmählich ein gewisses Ansehen erwerbe, indem es seinen Lesern eine Qualität der Analyse anbiete, und zwar aus einem Blickwinkel heraus, der in diesen drei Sprachen – Französisch, Englisch und Deutsch – eher ungewöhnlich sein kann.

Allerdings ist unser Blickwinkel in den mitteleuropäischen Ländern eben überhaupt nicht ungewöhnlich. Ich möchte, dass die Visegrád Post für deren Besucher durch die Analysen und Interviews, die wir veröffentlichen, zu einer Art Brücke nach Mitteleuropa werde. Insofern erteilen durch unsere Interviews mit hohen politischen Persönlichkeiten Menschen das Wort, die den Standpunkt ihrer Region vertreten, und zwar mit Fragen über Angelegenheiten, die im Westen allzu oft für bare Münze genommen werden und sich manchmal inmitten von politisch motivierten Anschuldigungen befinden. So lassen wir oft Männer und Frauen zu Wort, die sich zwar mitten im Geschehen befinden, doch gewöhnlich keinen Zugang zu den westlichen Medien haben.

Olivier Bault: Kann man gegenüber dem englischsprachigen Portal Remix bzw. der neugegründeten ungarischen Presseagentur V4 NA, die Beiträge auf Englisch, Französisch und Ungarisch veröffentlicht, in etwa sagen, dass die Visegrád Post eher das ist, was Wochenzeitschriften für Tageszeitungen sind?

Ferenc Almássy: Ja, diese beiden Portale haben nun den Nachrichtenmarkt übernommen. Es ist eine gute Sache, da wir eben dies ursprünglich machen wollten, bevor wir wahrgenommen haben, dass es für uns mangels Mittel und Personal außer Reichweite war. Und da wir uns selber zu einem Inhalt bewegt haben, der eher dem einer Wochenzeitschrift entspricht, so ergänzen sich heute die Visegrád Post und diese beiden Nachrichtenportale gegenseitig. Wir versuchen im Durchschnitt einen Artikel jeden zweiten Tag in jeder der drei Sprachen zu veröffentlichen. Was die Leserschaft betrifft, ist unsere Zielgruppe teilweise die gleiche, doch ist unser Angebot sowohl anders als ergänzend. Was die Presseagentur V4 NA anbelangt, so soll man außerdem betonen, dass nur ein Teil des Inhalts kostenlos ist, während Remix und die Visegrád Post vollkommen kostenlos sind.

Olivier Bault: Wer sind Ihre Leser?

Ferenc Almássy: Wir haben im Durchschnitt um die 30.000 Leser – sprich eindeutige Einzelbesucher – pro Monat für alle drei Sprachen zusammen. Ungefähr die Hälfte unserer Leser liest die französische Version des Portals. Was die englische Version betrifft, ist es interessant anzumerken, dass unsere Besucher vor allem IP Adressen aus den USA, Ungarn bzw. Polen aufweisen. Die Anzahl an Lesern mit einer amerikanischen IP Adresse zeigt somit, dass Mitteleuropa eine Region ist, deren Bedeutung stark am Wachsen ist bzw. die Menschen weit außerhalb ihrer Grenzen interessiert.

Olivier Bault: Welches war das besondere Interesse von TV Libertés für die Gründung eines Infoportals über Mitteleuropa? Warum genau Mitteleuropa?

Ferenc Almássy: Man muss wissen, dass TV Libertés aus dem Willen entstanden ist, sich im Bereich der französischen Medien zu engagieren, um etwas Anderes zu bringen, denn im Gegensatz zu Mitteleuropa, wo gewöhnlich zwei Lager im Bereich der Medien gegeneinander auftreten, gibt es in Frankreich ein einziges liberal-libertäres Medienlager, das sich in einer Monopolsituation befindet. Philippe Milliau, der TV Libertés gegründet hat, verfolgt nicht das Ziel, damit Geld zu verdienen. Es ist ein gemeinnütziges und nicht gewinnorientiertes Projekt, dessen Ziel es ist, etwas Anderes zu bieten. Genauso wie das von TV Libertés gegründete europäische Infoportal Eurolibertés soll man auch die Visegrád Post in diesem Zusammenhang sehen. Allerdings muss ich auch klarstellen, dass die finanzielle Unterstützung seitens von TV Libertés niemals irgendwelche Gegenleistung im Bereich der Orientierung der Visegrád Post zur Folge hatte. Die Leute von TV Libertés haben sich niemals eingemischt, um uns zu bitten, irgendwelchen Artikel zu ändern oder irgendwelche Information zu zensurieren. Dies würde übrigens auch nicht zu deren Geisteshaltung passen, die sich im Gegenteil für die Freiheit und den Pluralismus der Information einsetzt. Die Entscheidung für Mitteleuropa hatte zuerst einmal eine menschliche Dimension: ich selbst bin an sie mit diesem Projekt herangekommen, um unsere Region Mitteleuropa abzudecken. Wenn mein Projekt allerdings positiv aufgenommen wurde, dann ist es auch, weil es in Frankreich in den konservativen und christlichen Kreisen um TV Libertés ein besonderes Interesse für dieses Mitteleuropa gibt, das sich nicht alles gefallen lässt und gegenüber der liberal-libertären Hegemonie noch lange nicht sein letztes Wort gesagt hat. Dieser Aspekt hat sie durchaus motiviert, denn es gibt bei ihnen durchaus den Wunsch, Mitteleuropa besser zu kennen und besser zu verstehen, denn die Franzosen haben auch etwas aus dieser Region zu lernen.

Olivier Bault: Wer leitet heute die Visegrád Post? Sie sind der Chefredakteur aber haben Sie auch weitere entlohnte Journalisten? Wieviele ehrenamtliche Mitarbeiter: Beitragende, Übersetzer, Korrekturleser?

Ferenc Almássy: Im Moment hat sich unsere Arbeitsweise seit dem Anfang nicht verändert. Wir haben ehrenamtliche Mitarbeiter und wir leben durch die Unterstützung von TV Libertés bzw. durch Spenden. Am heutigen Tag bin ich die einzige Person mit einer regelmäßigen Entlohnung durch dieses Projekt. Was unsere ehrenamtlichen Beitragenden betrifft, so zählen wir um die zehn regelmäßige Autoren, ferner auch einige ebenfalls ehrenamtliche Übersetzer und Korrekturleser.

Wir haben erst gerade unsere erste Subvention von den ungarischen Behörden erhalten, die uns nun erlauben wird, auf das Tempo zu drücken. U.a. werden wir das Portal verbessern und besser absichern bzw. auch unsere Autoren ein bißchen entlohnen, berufliche Übersetzer und Korrekturleser bezahlen können, insbesondere für die englische Sprache, deren Qualität heutzutage unser Schwachpunkt für die Texte darstellt, die uns nicht in dieser Sprache geliefert werden. Während die Finanzierung durch TV Libertés uns ermöglicht, die Maschine am Laufen zu halten und wenn die Spenden uns erlauben, Material zu kaufen bzw. manche Reisen zu finanzieren, so werden wir nun dank dieser ungarischen Subvention professioneller werden  bzw. durch ein verbessertes Portal und regelmäßigere Beiträge mehr Leser erreichen können. Vorerst wollen wir unseren Rhythmus von einem Artikel in allen drei Sprachen an jedem zweiten Tag fortsetzen, um gegen Ende des Jahres einen Artikel pro Tag zu erreichen.

Olivier Bault: Sie sind Chefredakteur der Visegrád Post, doch arbeiten Sie auch für ungarische Medien, oder?

Ferenc Almássy: Praktisch gesehen bin ich unabhängiger Journalist und so bin ich sowohl Chefredakteur der Visegrád Post wie auch Korrespondent von TV Libertés in Ungarn. Außerdem schreibe ich auch Artikel für andere Medien wie z.B. für die große ungarische konservative Wochenzeitung Magyar Demokrata. Manchmal werde ich auch ins Fernsehen eingeladen, wie vor kurzem auf Hír TV, dem größten Fidesz-nahen Sender, um nach dem Brand in der Kathedrale Notre-Dame in Paris zu reagieren. Ich schreibe sowohl auf Französisch wie auf Englisch bzw. auf Ungarisch für weitere ungarische Medien und Thinktanks. Das erlaubt mir dann, genügend Einkommen aus meiner journalistischen Arbeit zu lukrieren.

Olivier Bault: Welch ist bisher Ihr größter Erfolg, was die Visegrád Post anbelangt?

Ferenc Almássy: Für mich ist es der größte Erfolg, dass die Visegrád Post seit über drei Jahren mit einer gewissen Kontinuität trotz eines bisher sehr knappen Budgets und trotz mancher schwierigen Phasen weiter besteht. Während wir unser Tempo etwas haben verringern müssen, glaube ich, sagen zu können, dass wir wesentlich an Qualität gewonnen haben, worüber ich ziemlich stolz bin. Freilich ist die Anzahl unserer Leser noch immer nicht allzu beeindruckend, doch wissen wir durch die Rückmeldungen, dass es unter ihnen Leute gibt, die anschließend einen gewissen Einfluss ausüben können, wie z.B. Parlamentarier oder parlamentarische Assistenten, Assistenten von Ministern bzw. Journalisten – einschließlich Journalisten, die die Standpunkte nicht teilen, die aus unseren Analysen hervorkommen können, doch für die wir eine wertvolle Quelle darstellen. Ich glaube, dass wir in diesen drei Jahren haben beweisen können, dass die Visegrád Post zu einem ernsthaften und qualitätsvollen Portal geworden ist.